Die Abteilung - Grundsätze und Ziele

Orientierungsrahmen für die Personalförderung der Evangelischen Landeskirche in Baden

I. Grundsätze und Ziele der Personalförderung

1.  Personalförderung ist wesentlicher Teil kirchenleitenden Handelns.   
Personalförderung  nimmt  Impulse  aus  Individual-  und  aus  Organisationsinteressen auf. Als spezielles Segment von Bildung vermittelt sie die individuellen Fort- und Weiterbildungsinteressen der Mitarbeitenden mit den Personalentwicklungsinteressen der Kirchenleitung. Sie zielt daher auf die Stärkung der individuellen und der korporativen beruflichen  Identität  der  Mitarbeitenden  und  verweist  damit  auf  die  Beziehung  von Person und Amt. 

1.1 Ziel  der  Personalförderung  ist  das  Erreichen  der  Organisationsziele  und  die  Unterstützung der strategischen Entwicklung der Kirche als Organisation durch:

  • Zeitgemäße und menschennahe Verkündigung
  • Leitungskompetenz
  • Begleitung Ehrenamtlicher
  • Qualitätssicherung
  • Wertschätzung
  • Organisationsbindung
  • Dialogfähigkeit und Darstellung öffentlicher Relevanz von Kirche
  • Aufbrechen der Milieuverengung  

Ausgehend von der Vielgestaltigkeit der reformatorischen Kirche zielt Personalförderung auch darauf ab, die individuellen beruflichen Fähigkeiten und Motivationen der Mitarbeitenden bestmöglich zu fördern und zu nutzen.   

1.2 Die  differenten  individuellen  beruflichen  Fähigkeiten  und  Motivationen  der  Mitarbeitenden sind wesentliche Ressourcen für die Organisation Kirche – so schon die paulinische Charismenlehre und das heutige Prinzip des Managing Diversity.    Der Bestimmung des Menschen zum Ebenbild Gottes entspricht ein generelles Ver- ständnis von Bildung, das sowohl die personale Entwicklung der bzw. des Einzelnen in deren bzw. dessen  Bezogensein auf Andere – als auch die Verschiedenheit fördert.   

2. Das  Selbstverständnis  des  Ehrenamtes  und  der  Bezüge  zwischen  Ehrenamtlichen und hauptberuflich Mitarbeitenden in der Kirche haben sich in den letzten Jahren ver- ändert. Ehrenamtliche suchen verstärkt Qualifizierung für ihre komplexen und verant- wortungsvollen Aufgaben, z.B. in der Leitung, der Verkündigung und der Seelsorge. Im Maße der Qualifizierung wächst ein (quasi-)professionelles Selbstverständnis auch dann, wenn die Tätigkeit bewusst ehrenamtlich wahrgenommen und keine Hauptbe- ruflichkeit angestrebt wird.   Personalförderung nimmt – in Kooperation mit der Fachstelle Ehrenamt - die Verän- derungen im Selbstverständnis des Ehrenamtes und der Bezüge zwischen Ehrenamt- lichen und hauptberuflich Mitarbeitenden in der Kirche konstruktiv und unterstützend durch  qualifizierende  Maßnahmen  für  Ehren-  und  hauptberuflich  Mitarbeitende  ge- meinsam auf und vermittelt sie mit den Zielen der Kirche als Organisation (siehe Kirchenkompass, Strategisches Ziel der Landessynode D). 

3.  Personalförderung  orientiert  sich  am  Prinzip  des  lebenslangen  Lernens  und  achtet insbesondere auf die berufsbiographischen Schnittstellen wie den Übergang von der Ausbildungs- in die selbständige Berufsphase (z. B. Fortbildung in den ersten Amts- jahren) oder die Übergänge bei Stellenwechsel (z. B. Coaching-Angebote).   

4.  Personalförderung  knüpft  sowohl  bei  hauptberuflichen  als  auch  bei  ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeitern  an  vorhandene  Kompetenzen  an  und  entwickelt diese weiter.

II. Zielgruppen und Inhalte

1.   Zielgruppen   
Zielgruppen der Personalförderung sind die hauptberuflichen und ehrenamtli- chen  Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeiter  in  der  Landeskirche  (gemäß  Arbeits- rechtsregelung Nr.2/2004 zu Maßnahmen der beruflichen Fort- und Weiterbil- dung, § 1, Abs. 1 a) und b)).  

1.1  Hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind   
a) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gemeindlichen Verkündigungsdienst: 

  • Dekaninnen und Dekane
  • Pfarrerinnen und Pfarrer
  • Pfarrvikarinnen und Pfarrvikare
  • Gemeindediakoninnen und Gemeindediakone  

b) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die pädagogisch tätig sind:

  • Schuldekaninnen und Schuldekane
  • Religionslehrerinnen und Religionslehrer
  • Lehrbeauftragte  

c) Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker  

d) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit spezifischen Zielgruppen arbeiten:  

  • Jugendreferentinnen und Jugendreferenten
  • Bezirksjugendreferentinnen und Bezirksjugendreferenten
  • Angestellte von Jugendverbänden
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung sowie theologische Leiterinnen und Leiter in Tagungshäusern
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kurberatung  

e) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im verwaltenden und technischen Bereich auf kirchengemeindlichlicher und kirchenbezirklicher Ebene: 

  • Pfarramtssekretärinnen und Pfarramtssekretäre
  • Verwaltungsmitarbeiterinnen  und  Verwaltungsmitarbeiter  (Verwaltungs- und Serviceämter sowie Kirchengemeindeämter)
  • Amtsleiterinnen und Amtsleiter
  • Baufachliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Kirchendienerinnen und Kirchendiener  

f) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im beratenden und seelsorgerlichen Bereich: 

  • Gemeindeberaterinnen  und  Gemeindeberater,  Organisationsbera- terinnen und Organisationsberater
  • Absolventinnen und Absolventen von Ausbildungen mit besonderer seelsorgerlicher Qualifikation (z. B. PPF, KSA)    

g) Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeiter in diakonischen, pädagogischen  und beratenden Arbeitsfeldern: 

  • Erzieherinnen und Erzieher
  • Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter
  • Fachmitarbeiterinnen und Fachmitarbeiter in psychologischen Beratungsstellen  

h) Bezirksbeauftragte für spezielle Dienste und Handlungsfelder  

i) Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit herausgehobenen Leitungsfunktionen, z.B. Dekaninnen und Dekane, Schuldekaninnen und Schuldekane, Leiterinnen und Leiter von Service-Ämtern, werden besondere Angebote der Personalförderung bereitgestellt.  

1.2  Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Oberkirchenrats gibt es folgende Angebote der Internen Fortbildung:   

(A) ein Jahresprogramm zu den Themengebieten:

  • Führungsverantwortung
  • Kommunikation und Organisation
  • Finanz- und Verwaltungswissen
  • Arbeitsplatz Kirche
  • Spiritualität
  • Gesundheit 
  • Fachspezifische Fortbildungen bei externen Veranstaltern   

(C) Fachspezifische Inhouse-Veranstaltungen für Abteilungen bzw. Bereiche  

(D) Qualifizierungsreihen für folgende Berufsgruppen:

  • Nachwuchsführungskräfte
  • Ausbilderinnen und Ausbilder
  • Sekretärinnen
  • Auszubildende  

(E) Moderation und Begleitung von Teamentwicklungsprozessen Coaching bei Stellenwechsel, Stellenneubesetzungen, Konflikten  

1.3  Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind vor allem: 

  • Kirchenälteste und Synodale
  • Ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger
  • Prädikantinnen und Prädikanten
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Konfirmandenunterricht
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der gemeindlichen und kirchen- bezirklichen Erwachsenenbildung
  • Mitarbeiterinnen der Frauenarbeit
  • Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker [Anmerkung: Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit noch entspricht sie der Bedeutung, welche die Fortbildung Ehrenamtlicher in der Landeskirche hat. Die Erwähnung Ehrenamtlicher als Zielgruppe der Personalförderung verdeutlicht aber den Stellenwert, der Ehrenamtlichen zukommt.]

2.  Inhalte
2.1  Beratung   Beratung geschieht in Form von:
 

  • Bildungsberatung
  • Laufbahn-  und  Karriereberatung  (in  Abstimmung  mit  der  Abteilung Personaleinsatz)
  • Supervision
  • Coaching
  • Balintgruppenarbeit  

2.2  Angebotsformate  
2.2.1  Besondere Angebotsformate für Hauptberufliche sind:

  • Pfarrkollegs
  • Fortbildung in den ersten Amtsjahren (FEA)
  • Fachtage
  • Kontaktstudium  

2.2.2 Angebotsformate für Hauptberufliche und/oder Ehrenamtliche sind vor allem:  

  • zertifizierte Langzeit- und Intensivkurse
  • Seminare
  • Workshops
  • Trainings
  • Fachtagungen  

2.3  Themen- und Handlungsfelder der Fort- und Weiterbildung    

Fort-  und  Weiterbildung  findet  in  ausgewiesenen  Themen-  und  Handlungsfeldern   statt: 

  • Theologische Reflexion und Spiritualität
  • Gottesdienst, Liturgie und Kirchenmusik
  • Bildung in Gemeinde und Schule
  • Seelsorge, Beratung, Begleitung
  • Diakonie
  • Organisationsentwicklung, Leitung und Verwaltung
  • Arbeitsrecht und Mitarbeitervertretung
  • Gesellschaftliche Verantwortung
  • Öffentliche Verantwortung
  • Gesundheitsprävention    

Angesichts von verlängerten Lebensarbeitszeiten und hohen geistig-seelischen sowie   körperlichen Belastungen kommt der Gesundheitsprävention als Maßnahme der Personalförderung eine weiter steigende Bedeutung zu.  

III. Strukturen

1.  Zuständigkeiten   
Die steuernde Zuständigkeit für die Personalförderung der Landeskirche obliegt Refe- rat 2 des EOK, Abteilung Personalförderung (siehe III.2.1). Die Steuerung erfolgt in Abstimmung mit den einzelnen Referaten des EOK, die für die jeweiligen Berufsgruppen wie folgt zuständig sind: 

  • Referat 2 für die Berufsgruppen unter II.1.1 a, d (6), e (5), f, i und II.1.2
  • Referat 3 für die Berufsgruppen unter II.1.1 c und f (2)
  • Referat 4 für die Berufsgruppen unter II.1.1 b und d
  • Diakonisches  Werk  der  Landeskirche  für  die  Berufsgruppen  unter II.1.1 g
  • Referat 7 für die Berufsgruppen unter II.1.2
  • Referat 8 für die Berufsgruppen unter II.1.1 e    

Die inhaltliche Zuständigkeit für die Beschäftigten des Evangelischen Oberkirchenrats liegt bei Referat 7.    

2.  Abteilung Personalförderung im EOK 
2.1 Die Abteilung Personalförderung nimmt als Instrument kirchenleitenden Handelns vor allem Steuerungsaufgaben wahr: Konzeptionsentwicklung, Festlegung von Standards, Qualitätsentwicklung usw.  

2.2 Über die Programmentwicklung führt die Leiterin bzw. der Leiter der Abteilung Personalförderung regelmäßige Kontaktgespräche mit den Anbietern von Fortbildungsangeboten.  

2.3 Die Herausgabe eines Jahresprogramms mit den Angeboten der Personalförderung geschieht auf der Grundlage des Orientierungsrahmens für die Personalförderung der Evangelischen Landeskirche in  Baden. Verantwortlich für die  Erstellung des Programms ist die Leiterin bzw. der Leiter der Abteilung Personalförderung. Das Jahresprogramm wird mit allen zuständigen  Mitarbeitervertretungen der Landeskirche abgestimmt – Näheres regelt eine Dienstvereinbarung- und vom Kollegium des Evangelischen Oberkirchenrats beschlossen und verantwortet. Eigene operative Programmverantwortung  nimmt  die Abteilung  Personalförderung  nur  in begrenztem  Umfang  für bestimmte  Segmente  wahr,  sofern  keine  anderen  Anbieter  diese Funktion erfüllen können.  Die im Jahresprogramm der Personalförderung ausgeschriebenen Angebote werden evaluiert.  

2.4  Die Leiterin bzw. der Leiter der Abteilung Personalförderung hat weiterhin folgende Aufgaben:

2.4.1  Sie bzw. er berät Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Dienst- und Fachvorgesetzte in Fragen der Fort- und Weiterbildung.  

2.4.2  Sie bzw. er ist zuständig für die Genehmigung von Maßnahmen der Personalförderung; Näheres hierzu regeln Dienstvereinbarungen und Richtlinien.   2.4.3  Sie bzw. er ist Mitglied des Beirats des Zentrums für Seelsorge.  

2.4.4  Sie bzw. er leitet die Fachgruppe Supervision.  

2.4.5  Sie bzw. er vertritt die Landeskirche in der Fortbildungsreferentenkonferenz der EKD.

2.4.6  Sie bzw. er pflegt die Kontakte zu Kooperationspartnern in anderen Landeskirchen und Diözesen.    

3.  Fachgruppe Personalförderung 
3.1 Die Fachgruppe Personalförderung vermittelt die Konzeption der Personalförderung   in die Landeskirche hinein, berät über Fragen des Jahresprogramms und hat folgende weitere beratenden Aufgaben:  

  • Erhebungen zum Fort- und Weiterbildungs- sowie Beratungsbedarf
  • Abstimmung von Programmangeboten
  • Konzeptionsentwicklung der Personalförderung
  • Qualitätsentwicklung  

3.2  Der Fachgruppe gehören an: 

  • Die Leiterin bzw. der Leiter der Abteilung Personalförderung (Vorsitz)
  • Die bzw. der Verantwortliche für die Interne Fortbildung des Evangelischen Oberkirchenrats
  • Eine Prälatin bzw. ein Prälat
  • Die  Geschäftsführerin  bzw.  der  Geschäftsführer  der  Gemeindebera- tung/Organisationsentwicklung der Landeskirche
  • Die Leiterin bzw. der Leiter des Zentrums für Seelsorge
  • Eine Vertreterin bzw. ein Vertreter der Abteilung Gottesdienst und Kirchenmusik
  • Eine Vertreterin bzw. ein Vertreter des Referates 4 im Evangelischen Oberkirchenrat
  • Eine  Vertreterin bzw. ein Vertreter des Diakonischen Werks in der Landeskirche
  • Die Vertreterin bzw. der Vertreter der Fachstelle Ehrenamt
  • Die bzw. der Verantwortliche für die Fortbildung Ehrenamtlicher
  • Eine  Vertreterin  bzw. ein Vertreter der Mitarbeitervertretung  der Landeskirche
  • ein Mitglied des Bildungsausschusses des Landessynode