Familienforschung

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Lutherisches Kirchenbuch der Gemeinde Wittlingen 1583 - 1738
 

Die Kirchenbücher stellen eine der wichtigsten genealogischen Fundgruben dar. In der Reformationszeit wird die Einführung von Kirchenbüchern durch Kirchenordnungen und Visitationen durchgesetzt (ältester Nachweis für die Anlage eines Kirchenbuches ist für Zwickau im Jahre 1522 überliefert). In den Kirchenbüchern werden die durch den Ortspfarrer vorgenommenen Kasualien (Taufen, Trauungen, Beerdigungen) verzeichnet. Die Aufzeichnungen in den katholischen Kirchenbüchern (seit 1563 durch Beschluss des Tridentinums) erfolgen bis weit in das 19. Jahrhundert hinein in Latein; in den evangelischen Kirchenbüchern aber von jeher in deutscher Sprache.

Bis zur Einführung der staatlichen Personenstandsregister unter Reichskanzler Otto von Bismarck am 1. Januar 1876 hatten die Kirchenbücher rechtsqualitative Bedeutung, die sie mit diesem Datum an die Standesämter abgegeben haben. Baden hat die Besonderheit, dass Standesämter bereits am 1. Februar 1870 ihre Arbeit aufnahmen.
In ihrer Führung sind die Kirchenbücher sehr unterschiedlich. So können neben den Kasualien auch besondere Vorkommnisse (Memorabilia = Merkwürdiges); Orts- und Kirchenchroniken; Pfarr- und Kircheninventare; Konfirmanden- und Kommunikantenverzeichnisse etc. aufgeführt sein, so dass sie insgesamt als hochwertiges Quellengut für die Kulturgeschichte einzustufen sind.
 

Die Kirchenbücher der Gemeinden der Evangelischen Landeskirche in Baden stehen im Landeskirchlichen Archiv von Beginn der Überlieferung bis in die 1960er Jahre als Mikrofilme zur Einsicht zur Verfügung. Dafür gibt es zwei Mikrofilmlesegeräte, für deren Benutzung der Besucher immer einen Termin vereinbaren muss.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Auszug aus einem Kirchenbuch des 18. Jahrhunderts
Für eine weitere Recherche stehen dem Genealogen in der Präsenzbibliothek des Archivs Familien- und Ortssippenbücher zur Verfügung, die als Sekundärquellen bzw. -literatur ein wichtiges Hilfsmittel darstellen: Familienbücher dienen der Erfassung aller Mitglieder einer Kirchgemeinde in ihrem familiären Zusammenhang, beschränkt auf einen bestimmten Zeitraum. Sie liegen handschriftlich vor und wurden immer wieder ergänzt. Geführt wurden sie seit den 1780er Jahren und erfuhren im 19. Jahrhundert eine größere Bedeutung. Je nach Region war die Führung von Familienbüchern unterschiedlich. In Baden war sie den Gemeinden freigestellt, so dass es hier keine flächendeckende Überlieferung gibt. In den Beständen des Landeskirchlichen Archivs befinden sich im Moment 350 Familienbücher, die im Moment alle verfilmt und digitalisiert werden. Planmäßig stehen sie Ende des Jahre 2017 im Lesesaal für eine Benutzung zur Verfügung.
 
Ortssippenbücher wiederum sind Transkriptionen von Kirchenbüchern einer Gemeinde, geordnet nach Familien. Sie werden je nach Größe der Gemeinde und Überlieferung der Kirchenbücher über einen unterschiedlich langen Zeitraum verfasst. So gibt es für die größeren Städte nur in Ausnahmefällen Ortssippenbücher und das beschränkt auf wenige Jahrzehnte; in der Hauptsache sind sie für Dorfgemeinden verfasst. Die Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs hat sich auf die Anschaffung der badischen (evangelischen) Ortssippenbücher beschränkt und kann derzeit auf 350 Bücher dieser Gattung verweisen. Die Verfasser sind verpflichtet, dem Archiv ein Belegexemplar zukommen zu lassen, so dass hier ein fast lückenloser Bestand vorhanden ist. Das ist deshalb auch bedeutsam, weil auch maschinenschriftliche Ortssippenbücher aufgenommen werden, die nicht im Buchhandel erhältlich sind. 
Außerdem übernimmt das Archiv eine Multiplikatorenfunktion, indem es die momentan in Bearbeitung bzw. Neuauflage befindlichen Ortssippenbücher [im Moment ca. 100 Ortssippenbücher] notiert und die Namen der Verfasser an Interessenten weitervermittelt. Ein Nachfragen nach Kontaktdaten zu derartigen Projekten ist also durchaus anzuraten, denn es entstehen dabei oftmals fruchtbringende Verbindungen!
 
Darüber hinaus verfügt die Präsenzbibliothek des Landeskirchlichen Archivs über Bestände mit weiterer familien- und ortsgeschichtlicher Literatur (z.B. Werke der Hilfswissenschaften; Orts- und Gemeindechroniken sowie Festschriften), aber auch Nachschlagewerke wie Lexika und Wörterbücher.

Findmittel (PDF)

Mit diesen Findmitteln können Sie sich einen guten Überblick über die Überlieferung der Kirchen- und Familienbücher sowie vorhandenen Ortssippenbücher verschaffen und damit eine mögliche genealogische
Recherche in unserem Archiv bestens vorbereiten:
Heinrich Löber, M.A., Dipl-Theol. - Bereichsleiter Landeskirchliches Archiv
 
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