Landeskirchen - Friedensethik

Friedensethische Beschlüsse der Mitgliedskirchen der EKD

Auf dieser Seite wollen wir einen kleinen Einblick in die friedensethischen Prozesse in anderen Landeskirchen geben. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Sie noch Beiträge kennen, von denen Sie meinen, Sie sollten hier veröffentlicht werden, nehmen Sie mit uns Kontakt auf.
 
 
  1. EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE IN OLDENBUG (ELKIO)

Ein „Offener AK Evangelische Friedensethik“ hat im Oktober 2014 eine Eingabe bei der Synode eingereicht mit der Bitte,
  • einen Konsultationsprozess zur Friedensethik in der ELKiO zu initiieren mit dem Ziel, am Ende konkrete Schritte und Selbstverpflichtungen zu beschließen“
  • „das Thema Friedensethik im Zuge des Konsultationsprozesses zum Synodenthema zu machen.“
Diese Eingabe mit dem zugehörigen Diskussionspapier (das im Wesentlichen dem „Diskussionsbeitrag aus der Evangelischen Landeskirche in Baden“ folgt, ) hat die Synode im November 2014 an den Theologischen Ausschuss zur Beratung überwiesen.
Der theologische Ausschuss hat der Synode im Mai 2015  Bericht erstattet und eine Beschlussvorlage vorgelegt, der die Synode gefolgt ist. Sie beschloss, den Konsultationsprozess nach der 5. Tagung der 48. Synode beginnen zu lassen (Mai 2016). Mit der Konzipierung, Federführung und Koordinierung des Prozesses wurde der Oberkirchenrat beauftragt mit der Bitte, eine federführende Person aus einem der Referate zu benennen. Ebenfalls auf der Maisynode 2015 legte die Synode das Thema "Friedensethik" als Jahresthema 2016 fest.
Am 26. Mai 2016 fand ein Thementag zum Jahresthema "Friedensethik" mit den folgenden Referenten: Militärbischof Dr. Sigurd Rink, Prof. Dr. Fernando Enns und dem Friedensbeauftragten der EKD Renke Brahms statt. Die Vorträge der Referenten, sowie Berichte aus der AG "Rüstungsexporte" mit Friedensaktivist Jürgen Grässlin, der AG "Umgang mit und Schutz vor terroristischen Gewalttaten" mit Polizeioberrat Thomas Kues, der AG "Von der rechtserhaltenden Gewalt zum gerechten Frieden" mit Pfarrer Geiko Müller-Fahrenholz und der AG "Die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit für Frieden" mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Thilo Hoppe finden sie unter Jahresthema Friedensethik
 
Die Evang.- Lutherische Kirche in Oldenburg hat 2015 in ihrem Magazin Horizont E  die Ausgabe 4/2015 dem Thema Frieden gewidmet. Diese Ausgabe enthält auch einen Beitrag von dem badischen Religionslehrer Theo Ziegler über den den friedensethischen Prozess in Baden mit dem Titel "Das Wunder von Baden.
 

 

 

2. EVANGELISCH-LUTHERISCHE LANDESKIRCHE HANNOVERS

 
Der Arbeitskreis für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung lud im September 2016 zu dem Thema ein: „Gewaltfrei für den Frieden – Die militärische Logik überwinden“ zum Ökumenischen Forum ein. Als Referenten waren Jan Gildemeister (AGDF) und Stefan Maaß (Arbeitsstelle Frieden) geladen.
Der Bericht vom Haus der kirchlichen Dienste und der Bericht von der Evangelischen Friedensarbeit geben einen Einblick in das Thema.
 
Der Vortrag von Jan Gildemeister und die PP-Präsentation von Stefan Maaß können hier heruntergeladen werden.
 
Beschluss der Landessynode November 2016
Am 24. November 2016 beschloss die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers in Osnabrück:
 

"In öffentlicher Verantwortung und ökumenischer Gemeinschaft wollen wir im Vertrauenauf Gottes Frieden weitere Schritte hin zu einer "Kirche des gerechten Friedens" gehen."

Ähnlich wie im badischen Beschluss findet sich auch hier ein Schuldbekenntnis:
 
"Allerdings müssen wir bekennen, dass wir als Kirche dem Auftrag zum gelebten Zeugnis für den Frieden auf Erden oft nicht nachgekommen sind. Wir haben zu oft zugelassen oder auch mit verantwortet, dass der christliche Glaube zur Legitimation von personalen oder strukturellen Gewaltverhältnissen herangezogen wurde. Wir haben uns zu oft damit begnügt, die Abwesenheit von Krieg und Gewalt als Frieden anzusehen. Bis heute fragen wir zu wenig, inwiefern unser Lebensstil, insbesondere unser Konsumverhalten, zur Verschärfung von Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen beiträgt."
 
Als Kirche tritt sie besonders für einen öffentlichen Diskurs um die Ursachen für Krieg, Gewalt und Armut ein. Die Erhöhung der Ausgaben für Rüstung und Militär sieht sie als einen Irrweg, der verlassen werden muss. Sie regt an, innerhalb der hannoverschen Landeskirche besondere Orte als geistliche und kommunikative Zentren für die Themen des gerechten Friedens auszubauen und neue Möglichkeiten der Friedensarbeit zu entwickeln.
 
Der Bericht des Hauses für kirchliche Dienste gibt einen kleinen Einblick in die Synodentagung. 
Der friedensethische Beschluss der Landessynode
 
 
Frühjahrssynode Mai 2017
Wie diese Vorhaben konkret umgesetzt werden kann, wurde auf der Frühjahrssynode im Mai 2017 behandelt. Die Frühjahrsynode beschloss, dass die Friedensthematik auf allen kirchlichen Ebenen diskutiert werden soll. Sie beschloss ebenfalls das Einsetzen eines Friedensfonds mit dem kirchliche Friedensprojekte unterstützt und angeregt werden können. Der Friedensfonds umfasst einen Betrag von 600.000 Euro. Die Vergabekriterien werden noch erarbeitet.
Den Bericht zur Frühjahrssynode finden sie hier.
  

 3. EVANGELISCHE LANDESKIRCHE IN WÜRTTEMBERG

 
Bereits 2011 setzte der Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel nach der Friedenskonvokation in Jamaika eine Kommission zur Rüstungskonversion ein. Das Vorhaben scheiterte, das die Vertreter der Wirtschaft diese Einladung zum Diskussionsprozess nicht annahmen. So befasste sich die Kommission mit grundsätzlichen Fragen der Rüstungsproduktion und des Rüstungsexports. Sie legte im Sommer 2016 einen Bericht vor.
 
Am 25. Oktober 2016 beschloss die Landessynode, dass der Landesbischof gebeten wird, eine von der Kommission auch unter Mithilfe von Oberkirchenrätin Karen Hinrichs von der Evangelischen Landeskirche  in Baden formulierte Erklärung abzugeben.
 
Am 16 März gab Landesbischof Frank Otfried July im Rahmen seines Bischofsberichts die Erklärung zu den Rüstungsexporten ab. In dieser Erklärung werden drei Punkte gefordert:
  • Beschränkung von Waffenexporten
  • Exportverbot von Kleinwaffen zu militärische Zwecken
  • Stärkung der Friedensbildung und Zivilen Konfliktbearbeitung
Die Landeskirche verpflichtete sich:
 

"In unserer Landeskirche werden wir uns auf allen Ebenen intensiv mit friedensethischen Fragen beschäftigen.


Konkret bedeutet dies:


• Stärkung von Friedensbildung und Friedensarbeit
Wir stärken die Friedensbildung an den Schulen in unserem Land und in unseren Gemeinden.

Wir unterstützen die Arbeit und Vernetzung der Friedensbeauftragten in den Kirchenbezirken und darüber hinaus.

• Initiierung eines Runden Tisches für Rüstungskonversion
Wir bringen einen Dialogprozess in Form eines Runden Tisches zum Thema Rüstungskonversion auf den Weg, an dem Unternehmer, Beschäftigte, Gewerkschaften, Friedensinitiativen und Kirchen
teilnehmen.


• Anstoßen einer öffentlichen Diskussion über ein Exportverbot von Kleinwaffen
Wir stoßen eine öffentliche Diskussion über das Exportverbot von Kleinwaffen zu militärischen Zwecken an.


Die Friedensbotschaft des Evangeliums muss auch in politischen Entscheidungen bedacht und ernst genommen werden."

4. Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland

 
Fachtag Frieden im Kirchenkreis Hamburg-Ost
Quelle: Diakonie + Bildung im Kirchenkreis Hamburg-Ost
Am 17. Juni 2016 hatte die "Diakonie + Bildung im Ev.-luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost" einen Fachtag zum Thema Frieden. 
Andreas Zumach, internationaler Korrespondent bei der UNO berichtete über die "Geopolitische Lage, zunehmende Militarisierung und die Rolle der internationalen Organisationen". Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach hielt einen Vortrag zum Thema "Friedenslogik statt Sicherheitslogik – Erkenntnisse aus der Friedens- und Konfliktforschung am Beispiel von Flüchtlingspolitik". Stefan Maaß von der Arbeitsstelle Frieden war eingeladen worden, um über den friedensethischen Prozess in Baden zu sprechen. Eine große Zahl der Teilnehmenden befürwortete, dass in der Nordkirche ein ähnlicher Prozess wie in Baden stattfinden sollte. 
 
Schwerpunkt der Synode am 30. September 2016
Zum Schwerpunktthema „Eine Kirche des gerechten Friedens werden“ der Synode sprach Fernando Enns. Zur Vorbereitung erhielten die Synodalen einen Auszug aus unserem Diskussionsbeitrag und einen Reader für die Gruppenarbeit erarbeitet durch den Ausschuss für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen finden Sie hier.
 
 
Friedensethischer Beschluss der Landessynode März 2017
Die Landessynode der Nordkirche beschließt auf ihre Tagung vom 2. bis 4. März 2017  das Positionspapier in den Abschnitten 1 und 3-6 als Positionen und Abschnitt 2 als Impuls für eine weitere Diskussion. Dieses Positionspapier war vom Ausschuss Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung erarbeitet worden. 
 
Interessanter Weise wird dieser Abschnitt 2 "Gewalt überwinden" als Impuls zur weiteren Diskussion empfohlen. Er enthält sehr klare Aussagen wie z.B.:
"Absicherung oder Herstellung friedlicher Zustände mit militärischer Gewalt kann dauerhaft nicht gelingen. Alle Versuche, Recht und Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung mit militärischer Gewalt durchzusetzen, führen weg von Gottes heilsamem Handeln. Wir lehnen die Legitimation von militärischem Eingreifen in Konflikte als ultima ratio ab. Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein. Gleichwohl wissen wir, dass wir als Kirche im Feld der politischen Argumentation keinen besonderen Wahrheitsanspruch behaupten können. Wir stellen uns der offenen politischen Diskussion. Besonders die Frage, ob äußerstes Unrecht unter wenigen spezifischen Kriterien nur noch mit Waffengewalt begrenzt werden kann, treibt uns um. Obwohl wir als Kirche dies 2 Positionspapier zum Thema „Gerechter Frieden“, im AGFB am 28.1.2017 beschlossene Synodenvorlage aus Gewissensgründen verneinen, akzeptieren wir unter bestimmten von den Vereinten Nationen vorgegebenen Kriterien die Einschätzung anderer, dass nur durch militärische Gewalt ein noch größeres Unrecht verhindert werden kann. Dennoch kann kein Zweifel daran bestehen, dass wir als Kirche niemals zu den Waffen rufen können. Kirchen, solange sie den „Einsatz von Militär mit auf dem Tisch halten als eine mögliche legitimierte politische Lösung für ein Problem, haben in dieser Sache ein Glaubwürdigkeitsdefizit“. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Als Nordkirche wenden wir uns gegen Argumentationen einer ökonomischen Notwendigkeit von Rüstungsentwicklung und Rüstungsproduktion. Dass Einkünfte im Bereich der Nordkirche aus der Produktion und dem Transport von Waffen stammen, ist irritierend. Wir unterstützen alle, die sich an einer Überwindung militärischer Sicherheitslogik beteiligen und damit den Waffenexport eindämmen helfen."
 
 
 
 
 
 
 

5. Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland

Am 29. April 2017 beschloss die Synode: "Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen sieht sich die EKM aufgerufen, den Weg des gerechten Friedens weiter zu gehen: 


- Sie fragt neu nach der biblischen Friedensbotschaft.

- Sie begibt sich neu auf die Suche danach, was heute und morgen dem gerechten Frieden dient

- Sie fragt nach exemplarischen Schritten in unserer Landeskirche und darüber hinaus und bezieht dabei u.a. die Impulse der „Kirchentage auf dem Weg“ in Magdeburg und Jena 2017 zu „Krieg und Frieden“ mit ein.

Für diesen Prozess bittet sie den Landeskirchenrat, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die ihre Ergebnisse der Landessynode auf ihrer Frühjahrstagung 2018 vorlegt."

In dem Antrag der Friedensbeauftragten und Synodalen Eva Hadem wurde in der Begründung auf den friedensethischen Prozess in Baden Bezug genommen.

 

 
Veranstaltungen

Neue Trainer*innenschulung im Mai 2019
Quelle: Zentrum für Kommunikation EOK
Vom 17. bis 19. Mai 2019 findet eine Schulung zum/r
Trainer*in für Friedensstifter*innen
im Bildungshaus St. Barabara in Rastatt statt.
nähere Informationen unter:
Stefan[dot]Maass[at]ekiba[dot]de

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