Mehr als eine Zahl

In der öffentlichen und veröffentlichten Meinung geht es in Bezug auf die Kirchenmitgliedszahlen eigentlich zumeist nur um Austritte und Eintritte – meistens in dieser Reihenfolge.

Deshalb ist es wichtig, sich selbst und anderen immer wieder zu vergegenwärtigen, dass die Entwicklung der Kirchenmitgliedszahlen von fünf Faktoren bestimmt wird. Das sind:

  • Taufen
  • Verstorbene evangelischer Konfession
  • Eintritte (Aufnahmen und Erwachsenentaufen)
  • Austritte
  • Saldo der Wanderungsbewegungen

Wussten Sie in diesem Zusammenhang, dass

  • sich die Landeskirche und jede Gemeinde jährlich hinsichtlich Fortzug und Zuzug der Kirchenmitglieder erheblich "umschichtet",
  • 1892 (!) der letzte Jahrgang in Deutschland war, der sich in der Zahl seiner Kinder ersetzte und seitdem jede Kindergeneration zahlenmäßig kleiner ist als ihre Elterngeneration
  • es erstmals in einer Gesellschaft mehr ältere als jüngere Menschen gibt, wobei der eigentliche Altersschub erst noch bevorsteht und darüber hinaus die Mitglieder der Landeskirche im Durchschnitt ca. 5. Jahre älter sind als die Bevölkerung des Landes Baden-Württemberg,
  • sich die Entwicklung der Kirchenmitgliedszahlen von Kirchenbezirk zu Kirchenbezirk teilweise erheblich unterscheidet?

Die Analyse der altersmäßigen aktuellen Zusammensetzung der Kirchenmitglieder (der so genannte Altersbaum) erweist sich als ein relativ einfaches, aber sehr aussagekräftiges Instrument.

Sie ermöglicht frühzeitige Handlungsoptionen für die eintreffenden Gegebenheiten und bietet dadurch eine Planungshilfe für die Zukunft; kurzfristige Steuerungsvorgänge, mit denen man möglichst schnell Veränderungen erzielen will, lassen sich dadurch nicht beschreiben, da demographische Entwicklungen in der Regel keinen schnellen und abrupten Änderungen unterliegen, sondern sich in längerfristigen und kontinuierlichen Prozessen vollziehen.

So gab es im vergangenen Jahrhundert im Grunde drei einschneidende Ereignisse, die zu (kurzfristigen) Einschnitten geführt haben; daneben fanden jedoch Einstellungs- und Verhaltensänderungen statt, die sich langfristig ausgewirkt haben und noch auswirken, wie etwa das Absinken der Geburtenhäufigkeit oder die Steigerung der Lebenserwartung – was Auswirkungen auf das natürliche Saldo hat.

Matthias Hantke, Tel. 0721 / 9175 -108

Die Kunst des Loslassens

Schmerzhafte Umbrüche in geistlicher Perspektive gemeinsam gestalten - Forum auf dem Zukunftskongress 2011 in Karlsruhe

"Die Ressourcen der Landeskirche werden in den kommenden Jahren voraussichtlich um ca 30 % zurückgehen. In einem günstigen Szenario (ohne konjunkturelle Einbrüche wie bspw. vor Kurzem durch die Finanzkrise und ähnliches) werden wir noch ca. 10 stabile Jahre ohne drastische finanzielle Einbrüche haben. Dann wird sich der Mitgliederschwund schmerzlich bemerkbar machen. Vor allem der demographische Wandel aber auch Kirchenaustritte sind hierfür der Grund. Die Landeskirche wird von derzeit 1,3 Mio Mitgliedern auf ca. 1 Mio schrumpfen und entsprechend an Finanzkraft verlieren. ..."

Auf dem Zukunftskongress im Oktober 2011 beschäftigte sich ein Forum mit der Fragestellung, was es für Kirchengemeinden und Bezirke heißt, dass die Mitgliederzahl und damit auch die Finanzkraft der Kirche schwindet. Schmerzliche Entscheidungen müssen getroffen werden - doch in all dem liegen auch Chancen. Wie diese aussehen und gestaltet werden können, zeigte das Forum auf.

Im Anhang erhalten Sie den gesamten Text „Die Kunst des Loslassens“.