Antisemitismus in Europa

 

Eine Fernsehreportage des Westdeutschen Rundfunks über den Antisemitismus in Europa dauert 45 Minuten und beeindruckt deshalb besonders, weil sie antisemitische Vorfälle in verschiedenen mitteleuropäischen Ländern (Deutschland, Frankreich u.a.) zeigt. Die Sendung wurde im November 2018 zum ersten Mal ausgestrahlt.

Im Jahr 1998 gründete sich eine „International Holocaust Remembrance Alliance“, der mittlerweile 32 Mitgliedsländer angehören. Sie hat sich 2013 umbenannt und heißt jetzt „Task Force for international Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research“. Diese Task Force arbeitet mit einer bestimmten Definition von Antisemitismus: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“

Der umstrittene Punkt bei allen Antisemitismus-Definition ist stets die Frage, ob die Kritik am Staat Israel bzw. vor allem an seiner Regierungspolitik gegenüber den Palästinensern mit einzuschließen ist oder nicht. Im Jahr 2000 hat die Task Force eine Erklärung über die Shoah verabschiedet, die zum Beispiel in Frankreich breit rezipiert wurde. Dort wird Antisemitismus in den Kontext von Genozid, ethnischer Säuberung und Fremdenfeindlichkeit gestellt.

Auf der Seite des französischen Beauftragten gegen Antisemitismus finden sich eine ganze Reihe weiterer internationaler Dokumente von UNO, OSZE, UNESCO etc.

Auf EU-Ebene wurde eine demoskopische Untersuchung „Experiences and perceptions of antisemitism. Second survey on discrimination and hate crime against Jews in the EU” durchgeführt. Die genannte Untersuchung, betrieben von der European Union Agency for Fundamental Rights aus dem Jahr 2018, ist deshalb interessant, weil sie Ergebnisse zum Antisemitismus im europäischen Vergleich enthält.

Die Regierung Macron in Frankreich hat wie ihre Vorgängerregierungen einen Regierungsbeauftragten zum Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus ernannt, ähnlich den analogen Entwicklungen in Deutschland, auf Bundes- und Länderebene. Der französische Beauftragte ist eingebunden in den „Nationalen Plan zum Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus (2018-2020)“.

Unter den genannten sind ausdrücklich auch solche pädagogischen Inhalts, die auf die neuen sozialen Medien zielen.