Antisemitismus und badische Landeskirche

 

Eine Reihe von Pfarrern, Theologen und Ehrenamtlichen haben Anfang 2019 einen Aufruf im Internet veröffentlicht, in der sie vor einem Rechtsruck in den Landeskirchen warnen. Es heißt dort: „Die aktuelle politische Situation in Deutschland gibt uns Anlass zur Sorge. Wir stellen einen Rechtsruck in allen gesellschaftlichen Bereichen fest, der sich in einer Verrohung der Sprache und des gesellschaftlichen Miteinanders niederschlägt. Wir erleben eine Zunahme an rassistischen, sexistischen und antisemitischen Äußerungen, Übergriffen und Ausschreitungen – auch in unserer Region und Landeskirche. Die AfD, der es um eine gesamtgesellschaftliche Werteverschiebung hin zu mehr Ausgrenzung und Nationalismus geht, ist mittlerweile in allen deutschen Landtagen vertreten. Wir befürchten, dass rechte Kräfte auch die anstehenden Kirchengemeinderats- und Synodalwahlen nutzen werden, um diese Themen in den Kirchgemeinden zu verankern.“ Zu den Unterzeichnern gehören eine Reihe von prominenteren Theologen innerhalb der Landeskirche.

Im Herbst 2018 verabschiedete die Synode der badischen Landeskirche eine Erklärung gegen Antisemitismus.

Darin heißt es: „Mit großer Sorge sieht die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden den wachsenden Antisemitismus in Medien, in politischen Debatten und bei Übergriffen auf jüdische Menschen und Einrichtungen. Es gibt wieder mehr jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland, die sich unsicher und bedroht fühlen. Antisemitismus gefährdet die Grundlagen unserer freiheitlichen Gesellschaft insgesamt. (…)

Wo auch immer jüdisches Leben diskreditiert, beeinträchtigt oder gar angegriffen wird, erhebt die Landessynode entschieden Widerspruch und sagt den jüdischen Gemeinden ihre unverbrüchliche Weggemeinschaft zu. Christlicher Glaube und Judenfeindlichkeit schließen einander aus. Wir wenden uns gegen jede Form von Antisemitismus.

Die Landessynode bejaht nachdrücklich das Existenzrecht des Staates Israel. Wir geben unserer Hoffnung Ausdruck und beten für ein versöhntes Miteinander von jüdischen und palästinensischen Menschen im Heiligen Land in einem gerechten und fairen Frieden für Alle. Im Glauben an die Veränderbarkeit von festgefahrenen Verhältnissen setzen wir auf die Unterstützung und Förderung aller Kräfte und Initiativen, die Begegnung ermöglichen und dem Frieden dienen.

Die Landessynode bittet alle Kirchengemeinden der Landeskirche und ihre Mitglieder, sich öffentlich und entschieden - insbesondere in den digitalen Medien - gegen jegliche Form von Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Kirche und Gesellschaft zu wenden und die Nachbarschaft zu jüdischen Gemeinden aktiv zu pflegen.“