Kurpfalz
Die Kurpfalz erstreckte sich im 16. Jahrhundert von Mosbach bis nach Kaiserslautern. Der Hof des Kurfürsten befand sich in Heidelberg. Als Martin Luther 1518 zu einer Disputation nach Heidelberg kam, rannte er mit seiner Kirchenkritik und seinen Reformvorschlägen offene Türen ein. Der Kurfürst jedoch verhielt sich zunächst abwartend.
Als in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts die Täuferbewegung aufkam, hatte sie in der Bevölkerung der Kurpfalz großen Zulauf. Es gab geheime Treffen v.a. südlich von Heidelberg und in der Umgebung von Alzey. Da die „Wiedertaufe“ bei Todesstrafe verboten war, fanden viele Anhänger den Tod durch Hinrichtung.
Nach dem Augsburger Reichstag 1530 unterzeichnete Kurfürst Ludwig V. weder das lutherische Augsburger Bekenntnis, noch bekannte er sich offen zur katholischen Seite. Sein Bruder Friedrich II. (1544-1556) ließ sich sogar zur zwangsweisen Beseitigung der kurz zuvor von ihm eingeführten protestantischen Neuerungen bestimmen.
1546 wurde in der Heiliggeistkirche das Abendmahl nach lutherischer Ordnung gefeiert, bald danach auch in deutscher Sprache; Priester durften heiraten, viele katholische Bräuche wurden abgeschafft.
Der katholische Kaiser Karl V. versuchte 1547 die Kurpfalz zu rekatholisieren, Kurfürst Friedrich II., ein Verwandter des Kaisers, wagte keinen offenen Widerstand gegen ihn und blieb bis zu seinem Tod zwischen dem Kaiser und der evangelischen Sache hin- und hergerissen.
Friedrichs Neffe und Nachfolger Ottheinrich (Kurfürst von 1556-1559) bekannte sich öffentlich zur Lehre Luthers und ließ eine neue Kirchenordnung verkünden. Sein Befehl, die Bilder und Altäre in den Kirchen abzuschaffen, löste einen regelrechten Bildersturm aus.
Friedrich III. (1559-1576) wandte sich dann dem Calvinismus zu und bewirkte mit seinem Konfessionswechsel eine „doppelte Reformation“ der Pfalz, denn die Untertanen mussten die Konfession des jeweiligen Regenten annehmen.
An der neuen Kirchenordnung als Zusammenfassung der reformierten Lehre wirkte Friedrich persönlich mit. Deren Herzstück bildete der Heidelberger Katechismus. Dieser hat sich rasch in den calvinistisch beeinflussten Kirchen in Deutschland und anderen Ländern durchgesetzt. Bis heute ist der Heidelberger Katechismus die wichtigste deutsche Bekenntnisschrift der reformierten Kirche.