Kenzingen

Die herrschaftlichen Verhältnisse in der Umgebung der Markgrafschaft Hachberg, zu der Kenzingen gehörte, waren in der Reformationszeit denkbar kompliziert. Vor allem die Habsburger und die Markgrafen von Baden-Durlach besaßen die politische Hoheit in dieser Region.

Als hier die reformatorische Lehre Fuß fasste und auch viele der Herrschenden sich ihr zuwandten, wurde die Lage recht schwierig und unübersichtlich.

Durch die Predigten des Elsässer Pfarrers Jakob Otter führte Kenzingen sehr früh schon die Messe in deutscher Sprache ein. Das nahe Freiburg gehörte zu Vorderösterreich, und der österreichische Erzherzog setzte 1524 die Stadt Kenzingen so unter Druck, dass Otter fliehen musste. Über 150 aufgebrachte Bürger begleiteten ihn – ihnen wurde sogar die Rückkehr in die Stadt verwehrt. Daraufhin fanden sie vorübergehend Asyl in Straßburg. Der Stadtschreiber von Kenzingen wurde auf der Asche von Luthers Schriften enthauptet.

Kaiser Karl V. bekämpfte den neuen Glauben heftig, da er im katholischen Glauben und in der kirchlichen Einheit im Reich einen Garant für Macht und Ordnung sah. Daher zögerten viele Landesherren, die eigentlich der reformatorischen Lehre offen gegenüber standen, evangelisch zu werden und die Reformation in ihren Ländern einzuführen.

Erst der Augsburger Religionsfrieden von 1555, bei dem die beiden Konfessionen als gleichberechtigt anerkannt wurden, änderte die Lage. Erst jetzt führte Markgraf Karl II. von Baden-Durlach in seinen Gebieten die Reformation ein. In der Markgrafschaft Hachberg war Emmendingen und die Stadtkirche das Zentrum der Reformation.

1590 lud Markgraf Jakob III. von Baden-Durlach Protestanten und Katholiken zu einem Religionsgespräch ein. Wenige Wochen danach wurde er überraschend wieder katholisch und befahl allen evangelischen Geistlichen, die Markgrafschaft Hachberg zu verlassen. Dazu kam es jedoch nicht, denn kurz darauf starb Jakob unerwartet. Schon damals hielt sich hartnäckig das Gerücht, er sei vergiftet worden.

Während Emmendingen evangelisch blieb, kehrte Kenzingen nach kurzer Zeit zum katholischen Glauben zurück.