Reichsritter im Kraichgau

In der Reformationszeit herrschten im größten Teil des Kraichgaus die so genannten „Reichsritter“. Sie unterstanden direkt dem Kaiser und gehörten zum niederen Adel. In den Dörfern ihrer Herrschaft hatten sie auch großen Einfluss auf die kirchlichen Verhältnisse dort.

Viele von ihnen wandten sich der Reformation zu. Zu nennen sind vor allem die Freiherren von Gemmingen.

Schon 1514, also noch vor Luthers Auftreten, hatte Pleikart von Gemmingen  neben den ortsansässigen Pfarrern einen Prediger eingestellt, Bernhard Griebeler. Mit ihm zusammen setzte er in Gemmingen Kirchenstatuten durch, die schon den Geist der Refomation atmeten: Die Pfarrer sollten ihr Leben und Predigen wieder mehr an der Bibel orientieren. Die anderen Pfarrer waren empört, schließlich waren sie vom Domkapitel in Speyer hierher gesandt worden. Die Söhne Pleikarts, Wolf und Dietrich,  führten schließlich die Reformation ein.

Wolf von Gemmingen hatte Luther 1521 auf dem Reichtag zu Worms persönlich erlebt und begeisterte sich für seine Lehre.

Bereits 1521 feierte die Gemeinde in Gemmingen das Abendmahl im lutherischen Sinne (Brot und Wein wurden der ganzen Gemeinde ausgeteilt). Zu dieser Zeit war das noch sehr gefährlich. Wolf und Dietrich wiesen die bisherigen Pfarrer aus der Stadt, Griebeler wurde der erste lutherische Pfarrer in Gemmingen, eine Schule wurde eingerichtet.

Auch später, als in der Gegenreformation viele Regionen und Städte wieder katholisch wurden, blieb Gemmingen protestantisch und ist es bis heute geblieben.

Weitere Ritter im Kraichgau waren die Göler von Ravensburg, die Sickingen, Götz von Berlichingen und viele andere. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 war die gesamte Ritterschaft des Kraichgaus lutherisch. Sie waren zwar durch Lehen oder Dienst mit der Pfalz verbunden, machten jedoch deren Hinwendung zum reformierten Glauben 1559 nicht mit.