Konstanz

Schon rund 100 Jahre vor Luther predigte der Theologe Jan Hus in Prag gegen den Reichtum der Kirche und andere Missstände; er wurde auf dem Konstanzer Konzil als „Ketzer“ verbrannt.

Luthers Schriften kamen schon kurz nach dem Thesenanschlag in Wittenberg in die Freie Reichsstadt Konstanz. Die Bewohner, die genug hatten von der Herrschaft des Bischofs, nahmen die neue Lehre begeistert auf, und schon 1521 wurde in den Hauptkirchen evangelisch gepredigt.

Besonders die Familien Blarer  und Zwick trieben die Reformation voran: Ambrosius Blarer und Johannes  Zwick als Theologen, Margarete Blarer, eine hochgebildete Frau, die sich außerdem vielen diakonischen Aufgaben widmete, und Thomas Blarer und Konrad Zwick, die als Juristen im politischen Gemeinwesen tätig waren.

Bis 1528 war die ganze Stadt evangelisch geworden. Um die sozialen Missstände zu beseitigen und wieder mehr Ordnung in die Stadt zu bringen, verbesserte man die Armen- und Krankenpflege und erließ die so genannte „Zuchtordnung“.

Gleichzeitig zeichneten sich in Konstanz die evangelischen Reformen und das Leben in dieser Zeit durch eine große Weite aus: Die Täufer, die an vielen Orten grausam verfolgt wurden, wurden geduldet. Beim Empfang des Abendmahls war der persönliche Glaube entscheidend, nicht die „lutherische“ oder „reformierte“ Lehre.

Ambrosius Blarer und Johannes Zwick, aber auch Thomas Blarer dichteten Lieder, die in den evangelischen Gemeinden begeistert gesungen wurden. Schließlich gaben sie ein eigenes Gesangbuch heraus mit Liedern aus dem ganzen süddeutschen Raum. Noch heute können wir in unseren Gesangbüchern Lieder von Blarer und Zwick entdecken, z.B. „All Morgen ist ganz frisch und neu“ (EG 440) oder „Jauchz, Erd und Himmel“ (EG 127).

Die Reformation in Konstanz nahm ein gewalttätiges Ende: 1548 erzwangen die Habsburger die Rekatholisierung der Stadt. Eine evangelische Gemeinde gab es erst wieder im 19. Jahrhundert.