Straßburg
Es ist nicht weiter erstaunlich, dass die Reformation in Straßburg schon früh begann: Die Freie Reichsstadt war ein Zentrum des Buchdrucks, und viele Schriften Luthers gingen von hier aus in die Welt. An den Reformen wirkten besonders zwei Menschen mit: Martin Bucer, der eigentliche Reformator der Freien Reichsstadt, und Katharina Zell geb. Schütz, die Frau des ersten evangelischen Predigers in Straßburg und beherzte Unterstützerin der reformatorischen Bewegung.
Auch wenn Martin Bucer sehr viel weniger bekannt ist als Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin, steht er diesen in seiner Bedeutung für die Reformation in nichts nach. Er versuchte zeitlebens die zwei evangelischen „Lager“ untereinander sowie auch mit der katholischen Seite zu versöhnen, was ihm jedoch nicht wirklich gelungen ist. Dennoch hat er mit seinem Leben und Wirken die Reformation weit über Straßburg hinaus beeinflusst und mitgestaltet.
Schon drei Jahre nach seiner Begegnung mit Martin Luther während seines Studiums in Heidelberg 1518 trat Bucer aus dem Dominikanerorden aus. Er heiratete und wurde, inzwischen exkommuniziert und gebannt, 1524 Pfarrer der Evangelischen in Straßburg. Dort führte er mit seinen Kollegen umfassende Reformen durch, vor allem im Gottesdienst und im Bildungswesen. Bucer gilt auch als der „Erfinder“ der Konfirmation, die sich später in allen evangelischen Gemeinden durchsetzte.
Katharina Zell stammte aus Straßburg. Sie sagte selbstsicher ihre Meinung, ließ eigene Schriften drucken und unterstützte ganz praktisch Glaubensflüchtlinge, Hungernde und Gefangene. Neben anderen Schriften gab sie kleine Gesangbücher heraus, die auch für einfache Menschen erschwinglich waren und sie im Alltag begleiten konnten.
Anhänger der Täufer hatten zunächst in Straßburg Zuflucht gefunden, doch da sie die Kindertaufe und kirchliche Ämter radikal bekämpften, wurden sie aus der Stadt ausgewiesen.
Das Augsburger Bekenntnis, auf das sich die lutherischen Fürsten und Städte 1530 geeinigt hatten, unterschrieben die Straßburger nicht; sie einigten sich mit den Städten Konstanz, Lindau und Memmingen auf ein eigenes Bekenntnis.