Biberach

Über die Anfänge der Reformation in der Freien Reichsstadt Biberach ist wenig bekannt. Man weiß nur, dass ein Geistlicher im Jahre 1523 evangelisch predigte und dass die ersten Evangelischen dort zunächst von Ulrich Zwingli geprägt waren.

1530, nach dem Augsburger Reichstag, auf dem Kaiser Karl V. das „Wormser Edikt“ von 1521 bestätigte – die Reichsacht gegen Luther und das Verbot, seine Schriften zu lesen und zu verbreiten – entschied sich die Stadt Biberach wie viele andere Städte, diesen Entscheid nicht anzunehmen, und führte die Reformation ein. Ein Jahr später wurden die Messe und viele alte Bräuche abgeschafft, Bilder und Glocken radikal entfernt. Katholische Priester verließen die Stadt, und der Rat übernahm die Verwaltung der kirchlichen Güter.

Zwischen 1543 und 1545 gab es noch einmal heftige Auseinandersetzungen um die theologische Richtung, da sowohl ein Prediger aus Basel als auch ein lutherischer Prediger in Biberach wirkten. Martin Frecht aus Ulm übernahm die Schlichtung dieses Konflikts.

Überhaupt war Biberach während der Reformation sehr von der Stadt Ulm beeinflusst. In beiden Städten war  Zwinglis Theologie prägend. Der Straßburger Martin Bucer und Johannes Oekolampad aus Basel besuchten Biberach, nachdem sie in Ulm die Reformation eingeführt hatten.

Auch in der Zeit der Rekatholisierung ab 1548 gab es evangelische Predigten, wenn auch ein katholischer Priester offiziell das Pfarramt wieder übernahm und die Freien Reichsstädte zu Verfassungsänderungen zugunsten der Altgläubigen gezwungen wurden.

1563 entschied Kaiser Ferdinand, dass beide Konfessionen in Biberach gleichberechtigt nebeneinander leben sollten, obwohl die Bevölkerung überwiegend evangelisch war. Die Pfarrkirche wurden von beiden Konfessionen genutzt, Konflikte gab es ständig, da jede Seite eifersüchtig ihre Rechte zu wahren und durchzusetzen versuchte.