Schwäbisch Hall
Die Kirche St. Michael, die Schwäbisch Hall weithin sichtbar überragt, ist das zentrale Bauwerk der Reformation in der Stadt. Hierher berief der Rat der freien Reichsstadt 1522 einen neuen Prediger, Johannes Brenz. Er hatte in Heidelberg studiert und dort Martin Luther kennengelernt, als dieser 1518 zu einer Disputation an die Heidelberger Universität kam. Schon damals war er begeistert von Luthers neuen Gedanken und von seiner Kritik an den Missständen in der Kirche.
Am Weihnachtsfest 1526 feierte Johannes Brenz in Schwäbisch Hall das Abendmahl erstmals in lutherischer Form mit der Gemeinde, das heißt, alle Gläubigen bekamen Brot und Wein.
Zusammen mit seinen Kollegen Johann Isenmann und Michael Gräter führte er in den nächsten Jahren mit viel Sorgfalt und Schritt für Schritt Reformen ein, nicht nur in den Kirchengemeinden, sondern auch im Schul- und Sozialwesen.
Johannes Brenz blieb 26 Jahre in Schwäbisch Hall. Weil er es verstand zu überzeugen, statt die Reformation mit Gewalt einzuführen, konnte er verhindern, dass Menschen radikal alle Heiligenbilder, Altäre und Statuen in den Kirchen zerstörten, wie dies an anderen Orten geschah. Darum kann man in der St. Michaelskirche noch viele kostbare Kunstwerke aus vorreformatorischer Zeit bewundern.
Brenz wehrte sich gegen die gewaltsame Niederschlagung der Bauernaufstände. Menschen, die beim alten Glauben bleiben wollten, durften weiterhin die Messe feiern. Natürlich hatte er auch mit Widerständen von vielen Seiten zu kämpfen. Doch seine ausgleichende Art führte dazu, dass er auch in benachbarten Gebieten an der Einführung der Reformation beratend mitwirkte und an vielen Religionsgesprächen teilnahm.
1543 erschien die von ihm verfasste Haller Kirchenordnung.
Johannes Brenz musste 1546 aus Hall fliehen, weil er sich dem Reichsgesetz des Kaisers nicht beugen wollte. Doch Schwäbisch Hall wie auch die ganze württembergische Landeskirche trägt bis heute den Stempel des großen Reformators.