Württemberg
Württemberg war seit 1519, als Herzog Ulrich vertrieben wurde, habsburgischer Landbesitz,. Die Habsburger waren streng katholisch und bekämpften in ihren Gebieten alle reformatorischen Bestrebungen. Darum konnten sich im Herzogtum Württemberg in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts evangelisch predigende Pfarrer kaum halten.
Erst 1534 konnte der Herzog sein Land wieder erobern. Er hatte sich im Exil dem evangelischen Glauben zugewandt. In der Residenzstadt Stuttgart fand im gleichen Jahr in der Stiftskirche der erste evangelische Gottesdienst statt. Ulrich rief zwei Theologen in die Stadt, die die Reformation in Württemberg durchführen sollten: Eduard Schnepf aus dem lutherischen Hessen und Ambrosius Blarer aus Konstanz, der sich in der Abendmahlslehre eher an Zwingli orientierte. Sie hatten ihre je eigenen Wirkungsbereiche und fanden trotz unterschiedlicher Auffassungen meist Kompromisse für die unterschiedlichen Fragen.
Stuttgart war sowohl politische Residenz als auch der Sitz der kirchlichen Leitungsorgane. Unter Herzog Ulrich wie auch in der Regierungszeit seines Sohnes Christoph (ab 1550) entstand in Württemberg eine straffe kirchliche Ordnung unter der Leitung des Regenten. Die Klöster im Land wurden Schulen, z.B. in Maulbronn und Blaubeuren. An der Universität Tübingen entstand das Tübinger Stift, in dem begabte Schüler auf Staatskosten Theologie studieren konnten. Dieses Stipendium gibt es bis heute.
1548 hatte Kaiser Karl in einem Reichsgesetz verfügt, dass in den evangelischen Gebieten Deutschlands kirchliche Reformen rückgängig gemacht und katholische Bräuche wieder eingeführt werden sollten, bis ein Konzil die kirchlichen Verhältnisse geregelt hätte. Dieses „Interim“ löste viel Protest aus. In Württemberg wurde es mehr umgesetzt als in anderen Gebieten: Pfarrer, die protestierten, mussten ihre Stelle verlassen, darunter auch der Pfarrer und Reformator von Schwäbisch Hall, Johannes Brenz. Nach einigen Jahren der Flucht wurde Brenz von Herzog Christoph beauftragt, ein Bekenntnis zu verfassen, das man dem Trienter Konzil vorlegen konnte.
Danach berief Herzog Christoph Johannes Brenz zum Probst an der Stuttgarter Stiftskirche. Ihm ist der Aufbau der württembergischen Landeskirche im Wesentlichen zu verdanken. 1559 erschien die Große Kirchenordnung, die zum Vorbild für viele andere Territorien wurde.