Heilbronn
Johann Lachmann war Priester und wirkte schon seit 1514 als Pfarrer in Heilbronn. Ab 1524 rumorte es in der Freien Reichsstadt, Bürger und Stadträte protestierten gegen kirchliche Missstände und forderten Reformen. Zur selben Zeit begann Lachmann evangelisch zu predigen und wurde zum geistlichen Führer der neuen Bewegung. Er bekam viel Unterstützung auch vom Rat der Stadt, doch gab es auch sowohl im Rat als auch in der Bürgerschaft viele Menschen, die beim alten Glauben bleiben wollten. Die Altgläubigen und die Evangelischen lagen in heftigem Streit miteinander, gegenseitige Schuldzuweisungen und Beschimpfungen waren an der Tagesordnung, und eine Lösung des Problems war zunächst nicht in Sicht. 1526 heiratete Lachmann, und kurz darauf wollte der Bischof von Würzburg ihn wegen Ketzerei vor Gericht stellen. Dies verlief jedoch im Sand. Die Forderungen nach einem evangelischen Pfarrer und einer neuen Kirchenordnung wurden immer lauter, und ab 1528 konnte das evangelische Abendmahl gefeiert werden, wahrscheinlich nach der Schwäbisch Haller Ordnung. Die katholische Messfeier wurde ebenfalls weiter gefeiert. Die Spannungen zwischen den Zerstrittenen dauerten an. Kaspar Gretter, der von Johannes Brenz aus Hall empfohlen worden war, schuf den Heilbronner Katechismus.
Auch der Bürgermeister Hans Riesser trug maßgeblich dazu bei, dass Heilbronn evangelisch wurde. Endgültig wurde dies, als sich der Rat und die Bürgerschaft 1530 entschlossen, das Augsburger Bekenntnis zu unterzeichnen.
Die neue Gottesdienstordnung orientierte sich an der lutherischen Messe, die katholische Messe wurde abgeschafft. Bis ins 19. Jahrhundert blieb Heilbronn eine fast ausschließlich evangelische Stadt.