Ulm
In Ulm gab es viele Anhänger der Reformation unter den Bürgern der Stadt, doch auch viele, die in der Öffentlichkeit Stimmung gegen Luther verbreiteten. Der Rat der Stadt verhielt sich diesen Vorgängen gegenüber eher abwartend und schwankend. Er unterstützte Reformen in der Kirche, doch allzu offensichtliche Äußerungen für die lutherische Lehre wurden geahndet, z.B. das Singen von Lutherliedern in den Schänken. Was für uns heute eine Selbstverständlichkeit ist: dass mehrere Konfessionen neben- und miteinander leben können, war in der damaligen Zeit noch fast undenkbar.
Ab 1524 erlaubte der Rat auch den Evangelischen eigene Versammlungen und stellte einen Prediger ein. Konrad Sam, ein Anhänger Zwinglis, trat die Stelle an, doch er bekam vom Rat der Stadt starke Auflagen: „reine“ Predigt des Wortes Gottes ohne Zusätze, aber keine Polemik bis zu einem Konzil, das strittige Fragen klären sollte. Doch Sam ließ sich keinen Maulkorb anlegen. Eine wirkliche grundlegende Reform der kirchlichen Angelegenheiten, wie sie in anderen Städten stattfand, gab es in Ulm nicht. Die Stadt blieb jahrelang in dieser ungeklärten Situation, in der es immer wieder halbherzige Zugeständnisse wie auch Verbote nach beiden Seiten gab.
Erst nach dem Augsburger Reichstag 1530 ließ man die Bürger abstimmen, und die Reformation wurde in Ulm eingeführt, auch wenn es weiterhin eine katholische Minderheit in der Bevölkerung gab. Die berühmten Reformatoren Martin Bucer, Johannes Oekolampad und Ambrosius Blarer wurden mit der Durchführung der notwendigen Maßnahmen beauftragt. Nun endlich gab es auch eine neue Kirchenordnung, das Münster wurde evangelisch, die Bilder daraus entfernt, die Klöster aufgelöst.
Dennoch blieb die Situation schwierig, da es in der Stadt und auch im Rat eine große altgläubige Opposition gab. Der Rat hatte sich einen großen Einfluss auf das kirchliche Leben gesichert und traf seine Entscheidungen oft aus politischen Erwägungen und Rücksichten.
Als Konrad Sam 1533 starb, trat Martin Frecht seine Nachfolge an. Die Konflikte wurden nicht weniger. Auch die Anwesenheit Caspar von Schwenckfelds ab 1535, der eine sehr radikale, spiritualistische Theologie entwickelte und sich in Ulm Einfluss verschaffte, machte es Frecht nicht leichter.
Nach einer Zeit der Rekatholisierung wurde Ulm wieder evangelisch nach württembergischem Vorbild, doch gab es sowohl Lutheraner als auch Anhänger Zwinglis sowie eine starke, von einflussreichen Bürgern unterstützte katholische Minderheit. Das führte über lange Zeit zu erheblichen Konflikten.