Basel
Schon früh gelangten die Schriften Luthers nach Basel, wurden zunächst von Hand zu Hand weiter gegeben und nicht lange danach auch gedruckt, denn Basel war neben Straßburg ein wichtiges Zentrum des Buchdruckes.
Die Neuauslegung der Bibel durch einige Prediger verursachten im Rat der Stadt und bei der Bevölkerung einige Unruhe; der Pfarrer zu St. Alban wurde 1522 aus der Stadt verwiesen, weil er die Reliquienverehrung kritisierte und sich für die Bildung von Frauen und Mädchen einsetzte. Vergeblich protestierten Frauen in der wohl ersten Frauendemonstration der beginnenden Neuzeit gegen seine Ausweisung.
Im selben Jahr kam Johannes Oekolampad nach Basel. Er muss ein begnadeter Prediger gewesen sein, auch seine Schriften hatten eine große Wirkung. Schon bald begann er einen regen Briefwechsel mit dem Zürcher Reformator Ulrich Zwingli.
Oekolampad heiratete 1528 die junge Witwe Wibrandis Rosenblatt. Diese hat in einer Zeit, in der Frauen die kirchlichen Ämter verwehrt waren, durch rege Kontakte und durch ihre Gastfreundschaft im Basler Pfarrhaus die Durchsetzung der Reformation auf ihre Weise mit gefördert. Auch Glaubensflüchtlinge fanden im Haus Unterschlupf. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie noch zwei Mal geheiratet: Wolfgang Capito und Martin Bucer, die in Straßburg die Reformation maßgeblich mit durchgeführt haben.
1529 wurde in Basel die Reformation endgültig eingeführt. Dazu verfasste Oekolampad eine „Reformationsordnung“, die die Stadt und Landschaft Basel zu einem Gemeinwesen reformierter Prägung umgestalten sollte. Im selben Jahr tobte in Basel ein Bildersturm ohnegleichen: Bürger zerstörten „Götzenbilder“ im Münster und in anderen Kirchen der Stadt. Zwar kamen keine Menschen zu Schaden, doch war dieser Bildersturm einer der radikalsten in der Reformationszeit. Dennoch galt Basel als eine tolerante Stadt. So wurden viele Diskussionen über Streitfragen geführt, katholische Schriften waren nicht völlig verboten, und viele protestantische Glaubensflüchtlinge kamen aus anderen Städten hierher.
Basel blieb bis heute eine evangelische Stadt mit reformierter Prägung. Johannes Oekolampad und Wibrandis Rosenblatt sind im Kreuzgang des Basler Münster beigesetzt.